Erntefeld

Brotgetreide-Ernte 2018

Die Anbauflächen beim Weizen haben sich zwar mittelfristig kaum verändert, wurden jedoch in diesem Jahr beim Winterweizen um acht Prozent eingeschränkt, was auch die stattdessen vergrößerten Sommerweizenflächen nicht wettgemacht haben. Die Hektarerträge sind klimabedingt stark eingebrochen und liegen im Bundesdurchschnitt mit 68 Dezitonnen (dt) um 12 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Bundesweit wurden von den überwiegend mit Wintersorten bestellten Weichweizenfeldern mengenmäßig mit 20,1 Mio. Tonnen rund vier Mio. Tonnen weniger eingebracht als im Vorjahr.

Beim Roggen haben die Landwirte den Anbau nochmals leicht zurückgefahren, sodass diesmal gegenüber dem Fünfjahresmittel fast 20 Prozent weniger Fläche in die Ernte ging. Zusammen mit den gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Prozent niedrigeren Hektarerträgen (von im Mittel 42 dt) führt das zu einem drastischen Rückgang der Erntemenge auf nun nur noch 2,2 Mio. Tonnen.

Entgegen vieler Befürchtungen sind die Mahl- und Backqualitäten der diesjährigen Ernte sehr zufriedenstellend, zum Teil sogar besser als erwartet: Gegenüber dem Vorjahr unverändert gut beim Weizen, weiterhin unterschiedlich beim Roggen. Auch die regionale Heterogenität ist witterungs- und vegetationsbedingt unverändert groß. Das zeigen die Schwankungsbreiten bei der Getreide- und Mehlanalytik in den Untersuchungen des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide (MRI-Detmold). Dort wird erntezeitnah heimisches Brotgetreide geprüft, das den Mühlen für die Verarbeitung im Erntezeitraum zur Verfügung steht – mit umfassenden Mahl- und Backversuchen. Die Ergebnisse wurden beim Detmolder Erntegespräch 2018 der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung vorgestellt.

Ausführlichere Daten und Hinweise für Bäckerprofis gibt es im "MEHLreport" (Ausgabe 28, September 2018) in der Mediathek.


 

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Unser Brotgetreide ist gesund

Getreide, Mehl und Brot sind unsere wichtigste pflanzliche Eiweißquelle. Neben dem gesundheitlichen Wert ist das Eiweiß auch für die Brotqualität von Bedeutung, die schon bei den Körnern beginnt : "Nur aus gutem Getreide können die Mühlen hochwertige Produkte herstellen. Und nur aus guten Mehlen und Schroten werden beim Bäcker Brote und Brötchen von hoher Qualität", stellt Professor Dr. Meinolf Lindhauer klar.In seinem Institut für Getreide-, Kartoffel- und Stärketechnologie der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Detmold werden daher Weizen und Roggen von deutschen Feldern jedes Jahr sorgfältig geprüft. Wichtigste Qualitätskriterien beim Weizen sind Menge und Qualität der im Korn enthaltenen Eiweiße. Dabei ist vor allem der Anteil des Kleber bildenden Eiweiß ("Gluten") maßgeblich für gute Backeigenschaften. Die Detmolder Untersuchungen zeigen, dass die Qualität des deutschen Backweizens in den letzten Jahren immer besser geworden ist.

Getreidezüchter forschen nach immer besseren Sorten

Das hat seinen Grund in der intensiven Arbeit der Saatgut-Züchter die sozusagen in ihren Zuchtgärten präventive Pflanzenmedizin betreiben. "Gesunde Pflanzen sind unser Ziel", sagt z.B. Josef Breun, Getreidezüchter im fränkischen Herzogenaurach. Die Widerstandsfähigkeit gegen Pflanzenkrankheiten zu erhöhen - das ist für ihn der wichtigste Gesichtspunkt bei seiner Arbeit, der Saatzucht. Denn nur gesundes Getreide liefert gleichzeitig gute Erträge und optimale Qualität. "Pflanzenzüchtung ist kein Geschäft für Ungeduldige", weiß Josef Breun aus Erfahrung: In der Regel braucht es über 10 Jahre, bis eine neue Weizensorte bei den Landwirten auf die Felder kommt. Am Anfang steht der Kreuzungsplan. Den stellt der Züchter gemeinsam mit seinen agrarwissenschaftlichen Mitarbeitern jedes Jahr neu auf. Die Merkmale der Sorten und Varietäten aus dem eigenen Zuchtgarten werden genau unter die Lupe genommen. Dazu kommen Sorten, die sich auf dem Markt befinden und interessante Qualitätsmerkmale aufweisen. Aber auch auf Wildformen wird zurückgegriffen - eine besondere Spezialität seines Betriebes. Jeder Kreuzungsplan ist ein neuer Versuch, die ideale Kreuzung mit möglichst vielen gewünschten Merkmalen zu schaffen - aber diese Merkmale müssen in den vorhandenen Sorten erst einmal erkannt, beschrieben und dann kombiniert werden: "Und da hat die Natur ein gewichtiges Wort mitzusprechen, denn alle neuen Kreuzungskombinationen müssen sich über elf Generationen von Jahr zu Jahr auf dem Feld bewähren. Und nur die besten Pflanzen-Nachkommenschaften bleiben jedes Jahr übrig und werden weitergeführt."

Der Weg zu möglichen neuen Sorten spielt sich draußen im Zuchtgarten ab, auf Miniparzellen von jeweils 0,8 qm. Im dritten Jahr entstehen so aus einem einzigen Kreuzungsplan 18.000 "Ähren-Nachkommenschaften", wie der Züchter die Urenkel-Stämme seiner Elternkörner nennt. In der fünften Generation, d.h. im sechsten Jahr, beginnt die sog. Linienprüfung bei etwa 500 verbliebenen Kreuzungsstämmen, die auf jeweils 5 Quadratmetern an zwei verschiedenen Standorten angebaut werden. Von da an werden nicht mehr nur die Wachstumsqualitäten kontrolliert, sondern zusätzlich die Mahl- und Backeigenschaften untersucht. Auf dem Laborprogramm stehen Eiweißgehalt und -qualität, Kornhärte und enzymatische Aktivität (Fallzahl). Diejenigen 200 neuen Stämme, die danach noch zukunftsträchtig erscheinen, werden ergänzend einem Backversuch unterzogen. Während der mehrjährigen Prüfungen achtet der Züchter ebenfalls genau darauf, wie gut die Krankheitsresistenzen der einzelnen Stämme sind. Dazu werden abgegrenzte Parzellen auch gezielt infiziert, beispielsweise mit Mehltau, Gelbrost oder Pilzkrankheiten. Das hilft bei der gezielten Züchtung neuer, krankheitsresistenter Getreidesorten. Im 10. oder 11. Jahr kommt dann als Haupt-Bewährungsprobe die dreijährige Wertprüfung auf den Feldern des Bundessortenamtes. Eine Neuzüchtung wird nämlich nur dann amtlich zugelassen, wenn sie wirklich eine "selbstständige" neue Sorte darstellt. Wenn ein neuer Zuchtstamm diese strengen Maßstäbe des Amtes in Hannover erfüllt, wird er als Sorte zugelassen und ist damit sozusagen patentiert. Dann können auch die Landwirte diese neuen Sorten einsetzen.



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